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Standards in der Pflege gibt es schon seit mehreren Jahrzehnten. In den Jahren 1998 - 2000 wurde vom Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege DNQP der "Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege" entwickelt und nach der ersten Konsensuskonferenz in 16 Gesundheitseinrichtungen (12 Krankenhäuser, 2 Einrichtungen der stationären Altenhilfe, 2 ambulante Pflegedienste) eingeführt. Die Implementierung (Mai - Oktober 2000) wurde wissenschaftlich begleitet und anschließend ausgewertet.
Die bundesweite Veröffentlichung des eigentlichen Standards erfolgte im August 2000. Im weiteren Verlauf entwickelte sich der "Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege" zum nationalen "Expertenstandard", d.h. er wurde weitgehend als allgemein gültig/verbindlich akzeptiert.
In der Folge erhielt das DNQP vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziales den Auftrag in den Jahren 2001-2009 weitere Expertenstandards nach gleichem Schema zu erstellen, d.h. zunächst wurden die Entwürfe zu den nationalen Expertenstandards durch Expertenarbeitsgruppen auf der Basis der internationalen und nationalen wissenschaftlichen Literatur erstellt. Im einem zweiten Schritt wurden diese mit einer breiten Fachöffentlichkeit im Rahmen von Konsensus-Konferenzen mit dem Ziel diskutiert, einen möglichst hohen Grad an Übereinstimmung zu erzielen. Im Anschluss an die Konsentierung wurde jeder Expertenstandard modellhaft in 15-27 Einrichtungen der Gesundheitsversorgung unter wissenschaftlicher Begleitung durch das Netzwerk implementiert.
So entstanden bislang sieben Expertenstandards zu den Themen:
Dekubitusprophylaxe in der Pflege
(Konsensuskonferenz 24.02.2000; veröffentlicht 08/2000)
Entlassungsmanagement in der Pflege
(Konsensuskonferenz am 06.09.2002; veröffentlicht 11/2002)
Schmerzmanagement in der Pflege
(Konsensuskonferenz am 15.10.2003; veröffentlicht 01/2004)
Sturzprophylaxe in der Pflege
(Konsensuskonferenz am 13.10.2004; veröffentlicht 02/2005)
Auszüge (Inhaltsverzeichnis, Präambel und Standard) aus den bislang veröffentlichten Expertenstandards finden sie in der folgenden Übersicht:
Dekubitusprophylaxe in der Pflege (DNQP; 2. Auflage 02/2004)
Entlassungsmanagement in der Pflege (DNQP; 1. Auflage 04/2004)
Sturzprophylaxe in der Pflege (DNQP; 1. Auflage 02/2005)
Schmerzmanagement in der Pflege (DNQP; 1. Auflage 05/2005)
Kontinenzförderung in der Pflege (DNQP; 1. Auflage 01/2006)
Der erste veröffentlichten "Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege" stand besonders in der Anfangszeit unter massiver Kritik. Vor allem wurde eine "fehlende Praxistauglichkeit" und die "empfohlenen" Dekubitusrisikoskalen kritisiert.
In der Übersicht finden Sie Artikel, die entweder diese Problematik genauer erläutern (1;2), bzw. einen "Praxistransfer" versuchen zu beschreiben (3;4):
Dekubitusrisikoskalen als Screeninginstrumente – Ein systematischer Überblick externer Evidenz (aus: Z.ärztl.Fortbild.Qualitatssich (ZaeFQ); 2003)
Ursachenzusammenhänge der Dekubitusentstehung (Forschungsbericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend; 10/2004)
„Do’s“ und „Don’ts“ in der Dekubitusprophylaxe (Neueste Erkenntnisse der Dekubitusprophylaxe in der Pflege - KDA-Fachtagung zum Nationalen Expertenstandard; 05/2002)
Implementierung des nationalen Dekubitusprophylaxestandards (aus: Die Schwester/Der Pfleger; 06/2004)
Viele Einrichtungen fragen sich, ob die bislang veröffentlichten Expertenstandards unbedingt in ihren Einrichtungen umgesetzt werden müssen. Der bekannte Rechtsexperte Hans Böhme hat hierzu schon vor deren Einführung im Jahre 2000 eine interessante These veröffentlicht, die sie im folgenden Artikel lesen können:
Standards als vorweggenommene Gutachten (von Hans Böhme, Rechtsexperte und wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Gesundheitsrecht und -politik in Mössingen; aus: KDA proAlter; 03/2000)